Faszination Langlaufen: Dolomitenlauf in Osttirol

Faszination Langlaufen: Dolomitenlauf in Osttirol
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Es gibt viele Leute, die am Wochenende gerne Fußballspiele oder Skirennen ansehen. Das ist keine neue Erkenntnis. Seit geraumer Zeit gibt es jedoch immer mehr Menschen, die gerne nordische Events wie Biathlon, nordische Kombination oder Langlauf anschauen. Von jung bis alt, ein jeder scheint sich plötzlich für diese Sportart zu interessieren. Was in den nördlicher gelegenen Nationen und vor allem in den skandinavischen Ländern normal ist, ist bei uns ja doch eher exotisch. Ich habe mir nun einmal die Zeit genommen, um dieser Faszination nachzugehen. Dazu bin ich nach Osttirol gefahren – in das Langlauf- und Biathlonzentrum Obertilliach. Wieso? In Europa gibt es nur wenige Gebiete, in denen man sich auf Langlaufskiern wirklich austoben kann. Und Osttirol ist in den vergangenen Jahren zu einem wahren Mekka für den Langlaufsport geworden. Immerhin findet hier jährlich im Jänner das größte Langlaufevent Österreichs, der Dolomitenlauf, statt. Mehr dazu im unteren Teil des Textes.

Aller Anfang ist schwer: Langlaufen in Osttirol

Anfang des Jahres war es endlich so weit – Langlaufen in Osttirol (da gibt es so einige schöne Plätze). Im Langlaufzentrum angekommen heißt es erst einmal suchen. Telefonisch habe ich meine Freundin und mich zum Skating-Schnupperkurs für absolute Anfänger angemeldet. Wenige Schritte vom Parkplatz entfernt, direkt im Hauptgebäude, finde ich unseren Ansprechpartner. Ohne große Umschweife geht es los. Wir bekommen Skier (Atomic und Fischer), die irgendwo zwischen Kinn und Nase enden, überlange Skistecken und relativ bequeme Langlaufschuhe in die Hände gedrückt. Keine zwanzig Minuten später begrüßt uns dann auch schon unsere heutige Lehrerin. Gemeinsam mit ihr und dem deutschen Pärchen, das ebenfalls den Schritt auf die Loipe wagt, geht es dann auch sofort raus ins kalte Wasser, ähm auf die Piste, Loipe.

Neben einer guten Kondition braucht es natürlich auch die richtige Ausrüstung. (c) Stefanie Aigner

Neben einer guten Kondition braucht es natürlich auch die richtige Ausrüstung. (c) Stefanie Aigner

Nach zwanzig Minuten habe ich verstanden, dass Langlaufen doch schwieriger ist als gedacht. Nach weiteren zwanzig Minuten bin ich mir sicher, dass ich noch nie einen solche anstrengenden Sport gemacht habe. Nach einer Stunde bin ich komplett durchgeschwitzt, dabei haben wir noch nicht einmal den Startplatz direkt neben den Biathlon-Schießanlagen verlassen. Mein innerer Schweinehund schreit und stöhnt bereits laut auf und will mich zum Aufgeben überreden, doch plötzlich passiert es – ich komme in Schwung. Zwei, drei flotte Skating-Schritte hintereinander und ich wünsche mir eine Handbremse herbei. Plötzlich wird aus dem Herumstochern und Herumtreten im Schnee, das von außen bestimmt extrem hilflos ausgesehen haben muss, ein richtig lässiges, flottes Skaten mit ordentlich Schwung.

Glücksgefühle pur, dank Sport und Natur

Das Stöhnen meines inneren Schweinehundes wird nun von purem Glücksgefühl abgelöst. Niemand kann mich mehr aufhalten, ich skate dahin. Just in dem Moment, als ich mir sicher bin gleich abzuheben, höre ich ein lautes Zischen. Aus dem Augenwinkel sehe ich das gelbe Trainingstrikot eines litauischen Biathleten, der mit der fünffachen Geschwindigkeit an mir vorbeizieht. Ich bin beeindruckt. Und noch dazu voller Motivation, endlich raus auf die Piste, ähm Loipe gelassen zu werden. Mein Wunsch wird schnell erfüllt. In der zweiten Trainingsstunde geht es endlich raus, da wo die Großen fahren. Nach einigen Abfahrten (wo man runter fährt, muss man übrigens auch wieder rauf!) und einer schönen Runde am Bach entlang ist das Training beendet. Unsere Lehrerin scheint nicht einmal annähernd aus der Puste zu sein, unsere Kappen sind durchgeschwitzt. Aber es ist glücklicher Schweiß!

Langlaufen hat tatsächlich eine Faszination, der man sich einfach hingeben muss. Wer sich (Ganzkörper!) sportlich betätigen möchte, wer gerne an der frischen Luft ist, wem Skifahren zu rasant und spazieren gehen zu langweilig ist, der sollte unbedingt einmal auf die dünnen Latten steigen. Noch nie war der Einklang zwischen sportlicher Betätigung und Naturgenuss harmonischer. Es ist ein ziemlich gutes Gefühl, wenn man in vollem Schwung und mit schnellem Schritt durch die Wälder pfeift, ab und an über eine Brücke fährt, das Wasser beobachtet und einfach einmal abschalten kann. Auch wenn ich mir zwei Tage nach dem Schnupperkurs noch immer sicher bin, dass ich in beiden Unterschenkeln so etwas wie einen Muskelkater spüre – so ist mir dieses Tier doch deutlich lieber als der innere Schweinehund, der mir dieses tolle Erlebnis diesmal nicht versaut hat.

Der Dolomitenlauf bietet 7 Rennen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.

Der Dolomitenlauf bietet 7 Rennen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.

Der Dolomitenlauf: Österreichs größtes Langlaufevent

Zurück in Lienz, sehe ich ein Plakat mit vielen Langläufern. Ich fühle mich mit ihnen verbunden, immerhin bin ich ja nun selbst einer und schaue genauer hin. DOLOMITENLAUF steht in großen Buchstaben geschrieben. Ein Wort, das in Kombination mit dem Bild, das ich sehe, majestätischer kaum wirken könnte. Der Dolomitenlauf, Österreichs größte Langlaufveranstaltung und offizieller Bewerb des  FIS-Marathoncups. In diesem Jahr findet er vom 21. bis 24. Jänner 2016 statt und das bereits in der 42. Auflage und mit zahlreichen “Sideevents”. Wo? In der nordischen Hochburg Obertilliach natürlich. Daheim angekommen lese ich mich etwas ein und bin begeistert.

“Egal ob für Profis, Amateure oder Genusssportler – für jedes Können, jeden Geschmack, jedes Alter bieten wir den richtigen Bewerb mit der passenden sportlichen Herausforderung. Und das vor einer beeindruckenden Naturkulisse!“ Das sind die Worte LRC-Organisator Franz Theurl. Er muss es wissen. In diesem Jahr kommt der Dolomitenlauf für mich dennoch noch etwas zu früh. Gut, dass der Jahreswechsel noch so nahe ist. Ich nehme mir fest vor, öfter Langlaufen zu gehen und 2017 bin ich beim Dolomitenlauf aber sowas von fix dabei. Vielleicht nicht beim  „Dolomiten-Classicrace“ (mit Läufern aus 20 Nationen) aber beim Romantiklauf in Lavant (am ersten Tag des Langlauf-Festivals) ganz sicher!